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Architekt (Wikipedia)

Architekt (griech. aus den Wörtern αρχη [arché] (= Anfang, Ursprung, Grundlage, das Erste) und τεχνη [techné] = Kunst, Handwerk. altgriechisch architéktos = Oberster Handwerker (Zimmermann), Baukünstler, Baumeister.)

Das Berufsbild der Architekten ist nicht klar definiert und auch länderweise verschieden. Es reicht von den

  • Baukünstlern, die sich mit Architekturtheorien und ihrem Konnex zur Bildenden Kunst beschäftigen und reine Entwurfsarchitekten sind,
  • über Ingenieure und technisches Entwerfen von Gebäuden
  • bis hin zu den Bauleitern, welche die Bauplanung und Bauausführung koordinieren und deren Augenmerk vor allem auf Terminen und Baukosten liegt.

Das Berufsbild, das die Architekten entwickelt haben, ist in verschiedenen Ländern, in den Büros der Ziviltechniker und an den Hochschulen unterschiedlich und ständig in Bewegung. Dem weiten Berufsfeld zwischen angewandter Technik und reiner Baukunst (aktuellen oder historischen Zuschnitts) entsprechen auch die möglichen Ausbildungswege:

Universitäten (vor allem TU), Fachhochschulen und Kunstakademien in Ländern mit stärkerem Reglement, aber auch Colleges, technische Mittelschulen und völlig freie Bildungswege. In jedem Fall enthalten sie eine intensive Praxis-Ausbildung, die von Entwurfs- und Feldübungen bis zur Ausarbeitung konkreter Bauprojekte reichen.

Geschichte

Darstellung eines Architekten im Mittelalter

Der Beruf des Architekten ist traditionell generalistisch angelegt: die Baumeister vergangener Zeiten erstellten in Personalunion den Entwurf und die Statik und beaufsichtigen den Bauablauf. Je nach Epoche kamen sie aus ganz verschiedenen Klassen und Berufszweigen, zum Beispiel waren sie im Römischen Reich meistens Militäringenieure (vgl. Vitruv), im frühen Mittelalter oft Kleriker, im Spätmittelalter aus dem Steinmetzhandwerk hervorgegangenen Werkmeister (vgl. Werkmeisterbücher), in der Renaissance Künstler, Bildhauer oder Wissenschaftler.

Erst im 19. Jahrhundert, im Zuge des ökonomischen und technischen Fortschritts durch die Industrialisierung bildete sich der Beruf des Architekten als eigene akademische Disziplin heraus. Es gab enorme Fortschritte in der Bautechnologie, neue Bauaufgaben (Geschosswohnungen, Feuerwehrwachen, Schulen), die nicht mehr von handwerklich geprägten Baumeistern zu bewältigen waren. Es entstanden Architekturschulen und -akademien.

Zunehmend bildeten sich die Fachdisziplinen Architektur und Bauingenieurwesen heraus. Die Architekten beschäftigten sich schwerpunktmäßig mit der Gestaltung der Bauwerke des Hochbaues, die Bauingenieure erbringen sämtliche Leistungen für die Bauwerke des Tief- und Ingenieurbaues und planen das Tragwerk für Hochbauten, ebenso sind sie oft in der Bauleitung für Hochbauten tätig. Die Komplexität der Aufgaben nahm seitdem kontinuierlich weiter zu, so dass sich im 20. Jahrhundert weitere Fachdisziplinen etablierten: Städtebau, Landschaftsarchitektur, Innenarchitektur, Bauphysik etc...

Gegen Ende des 20. Jahrhunderts kommen viele Berufe dazu, die viele Aufgaben des klassischen Architekten übernehmen. Baumanagement und Facility-Management übernehmen die Koordination der Bauausführung, große Firmen bieten komplette Planungs- und Ausführungspakete an, so dass sich traditionelle Aufgabenfelder der Architekten verlagern. In manchen Bereichen ist auch in Deutschland ein Rückzug der Architekten auf den Aspekt des Entwerfens zu beobachten, wie es in den USA zum Beispiel schon weit verbreitet ist.

Der Trend zur Spezialisierung macht heute auch vor dem an sich generalistisch angelegten Architektenberuf nicht halt. Neben dem Architekten, der sich hauptsächlich mit Hochbau beschäftigt gibt es in Deutschland noch die Berufsgruppen der Landschaftsarchitekten, Innenarchitekten und Städtebauarchitekten. Weiterhin findet in den einzelnen Büros eine zunehmende Spezialisierung auf bestimmte Bauaufgaben (Verwaltungs- und Gewerbebau, Kulturbau, Wohnungsbau etc.) oder auf bestimmte „Leistungsphasen“ der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (z.B. Entwurf, Ausführungsplanung, Ausschreibung oder Bauleitung) statt. Außerdem lässt sich noch eine Spezialisierung auf bestimmte Nischen feststellen, wie z. B. das Ökologische Bauen oder die Sanierung von Altbauten beobachten.

Arbeitsfelder

Übliche Arbeitsfelder, die von Architekten (je nach Land im unterschiedlichen Maße) abdeckt werden:

  • Entwurfsplanung von Gebäuden und Bauwerken vorwiegend des Hochbaues (siehe auch Wettbewerb (Architektur))
  • Genehmigungsplanung (in der Schweiz als Baueingabe bezeichnet)
  • Ausführungsplanung; Koordination zwischen den verschiedenen Fachplanern wie z.B. Haustechnik, Tragwerksplanung oder Bauphysik
  • Sie agieren als Sachwalter ihres Bauherren gegenüber den ausführenden Firmen, und sorgen für die Herbeiführung der erforderlichen Verträge (Ausschreibung und Vergabe)
  • Bauüberwachung, Bauleitung, Objektüberwachung
  • Kostenkontrolle, Terminkontrolle
  • Projektsteuerung
  • Bauökonomie, Planungsökonomie
  • Assetmanagement
  • Immobilienmanagement
  • Facility-Management
  • Aufgaben in der öffentlichen Verwaltung
  • Repräsentation des fertigen Projekts

Arbeitsweise

So umfassend die Inhalte der Disziplin Architektur sind, so vielfältig und komplex ist auch die Arbeit des Architekten. Nach wie vor arbeiten die meisten freiberuflichen wie auch angestellten Architekten in kleinen, mittleren bis großen Architekturbüros für Bauentwurf, Bauplanung oder Bauleitung. Je nach Größe und Spezialisierung haben die Büros zum Teil eigene Abteilungen mit weiteren Fachplanern wie Innenarchitekten, Labortechniker, Lichtplaner, Küchenplaner, Bauphysiker, Freiraumplaner wie auch Spezialisten für Modellbau, Rendering/Visualisierung oder Public Relation integriert. Durch den sich seit Jahren verändernden Markt sind jedoch immer mehr Architekten auch gewerblich tätig oder nehmen Funktionen als Gutachter oder Berater ein.

Architekturbüros

Abgesehen von kleineren Bauvorhaben wie Einfamilien- oder Zweifamilienhäusern ist der Planungsprozess meist stark arbeitsteilig organisiert. Dies betrifft nicht nur die Arbeit innerhalb der Architekturbüros, sondern auch die Zusammenarbeit mit den externen Projektbeteiligten.

Nur noch wenige Architekten bearbeiten das komplette Leistungsspektrum der deutschen HOAI mit allen Leistungsphasen. Vielmehr befassen sich die Mitarbeiter mittlerer und größerer Büros i. d. R. schwerpunktmäßig mit Teilbereichen des Planungsprozesses, wie z.B. dem Entwurf, der Ausführungsplanung, der Ausschreibung und Vergabe von Bauaufträgen oder der Bauleitung. Auch eine Spezialisierung von Architekturbüros auf die jeweiligen Leistungsphasen „1“ bis „5“ (Entwurf, Genehmigung und Planung) oder die Leistungsphasen „6“ bis „9“ (wirtschaftliche und bauliche Umsetzung) ist inzwischen weit verbreitet.

Da bei jedem Bauvorhaben die Arbeit verschiedener Fachingenieure wie Statiker und Haustechniker, bei größeren Projekten zunehmend auch weiterer Experten wie Verkehrsplaner, Fassaden- und Landschaftsplaner oder Facility Manager, integriert werden muss, ist beim Architekten ein hohes Maß an Kommunikations- und Koordinationsfähigkeit sowie gleichzeitig Einfühlungs- und Durchsetzungsvermögen gefordert. Auf dem sich verändernden und insgesamt schrumpfenden Markt sind unter dem hohen Wettbewerbsdruck in zunehmenden Maße Qualitäten in der Projektpräsentation gegenüber privaten und öffentlichen Bauherren erforderlich.

Je nach Arbeitsschwerpunkt des einzelnen Architekten sind verschiedene Qualifikationen gefordert. Benötigt der Entwurfsarchitekt vor allem herausragende Fähigkeiten konzeptioneller und darstellerischer Art, sind beim Ausführungsplaner ebenso gestalterische wie auch technisch-konstruktive und rechtliche Kenntnisse (Baurecht, Umweltschutz usw.) gefragt. In der Bauleitung sind vor allem organisatorische Fähigkeiten und detaillierte Kenntnisse des Bauablaufes und der Bauausführung durch Baumeister und Handwerker erforderlich.

Diese Spezialisierung ist jedoch nicht so zu verstehen, dass die an einem Bauvorhaben beteiligten Architekten isoliert voneinander arbeiten. Die verschiedenen Projektphasen sind stark miteinander verzahnt und voneinander abhängig. Ein Grundverständnis für den gesamten Planungsprozess ist daher auch für den Spezialisten unerlässlich, ebenso wie die Kooperation mit dem Bauingenieur und bei größeren Projekten mit dem Geodäten, weiteren Spezialisten und den zuständigen Ämtern.

Die digitale Revolution der letzten Jahrzehnte hat natürlich erst recht nicht vor planenden Berufen wie dem Architekten haltgemacht. Zwar werden im Planungsprozess immer noch traditionelle Mittel wie Skizzen oder Modellbau angewandt. Die endgültige Planung und Darstellung von Projekten wird allerdings fast ausschließlich mit Hilfe von CAD-Programmen am Computer erstellt. So ist die Beherrschung von mindestens einem CAD-Programm heute für Architekten unerlässlich. Oft werden aber auch Erfahrungen mit verschiedenen Programmen sowohl in der zwei- als auch dreidimensionalen Darstellung erwartet, die bei Entwicklungs- und Zeitreihen bisweilen sogar in die vierte Dimension geht.

Mehr Informationen zu den verfügbaren CAD-Programmen sowie spezialisierten Programmen für den Architekten findet sich in den Artikeln Computer Aided Design und Liste mechanischer CAD-Lösungen.

Aufgrund der mittlerweile stark schwankenden Auftragslage und des infolgedessen ungleichmäßigem Arbeitsaufkommens innerhalb der meisten Architekturbüros sind je nach Organisation flexible Arbeitszeiten unverzichtbar. Vor wichtigen Terminen, wie z.B. Abgaben von Wettbewerben, Bauanträgen oder Bauherren-Präsentationen, sind daher oft Überstunden sowie Arbeit am Wochenende unerlässlich. Bei vielen Großprojekten muss darüber hinaus der verantwortliche Architekt oder eine von ihm befugte Person ständig erreichbar sein.

Arbeit in anderen Bereichen

Zunehmend sind Architekten auch außerhalb ihres klassischen Betätigungsfeldes beschäftigt. Dies können die Projektsteuerung auf Seite des Bauherren sein oder eine Tätigkeit in der Bau- und Immobilienwirtschaft. Auch Tätigkeiten als Technische Sachverständige, Gutachter oder Berater sind üblich. Weitere interdisziplinäre Schnittstellen gibt es mit den Bereichen Produktdesign, Industrialdesign, Kunst, Film & Theater, Multimedia, Werbung und Kommunikationsdesign.

Deutschland

Architektenkammer

In Deutschland darf sich nur Architekt nennen, wer in die Architektenliste einer Architektenkammer eingetragen ist. Dafür benötigt man neben dem abgeschlossenen Architekturstudium Berufserfahrung von mindestens zwei Jahren (In dieser Zeit wird der Architekt auch als Architekt im Praktikum (AiP) bezeichnet.) ; Details regeln die Architektengesetze der Bundesländer. Der Titel Architekt berechtigt zur Einreichung eines Bauantrages und ist somit fast zwangsläufig für die Arbeit als selbständiger Architekt erforderlich. Die Kammern verstehen sich als Interessenvertretung aller Architekten. Das heißt aber auch umgekehrt, dass die Interessen der großen Zahl der nichtselbständigen, in Architekturbüros Tätigen, die nicht in die Kammer eingetragenen sind - insbesondere der Absolventen - nur sehr bedingt durch die Kammern vertreten werden.

Die genaue Bezeichnung ist dann: Freier Architekt

Das Berufsbild des Architekten ist seit Jahren zunehmend Veränderungen unterworfen. Viele einst klassische Betätigungsfelder von der konzeptionellen Entwicklung von Großprojekten über die Ausführungsplanung bis zur Bauleitung werden inzwischen von Projektentwicklern, Baukonzernen oder anderen Konkurrenten angeboten. Infolgedessen hat sich das Betätigungsfeld solcher Architekturbüros, die nicht in der Lage sind, auf diese Entwicklung in angemessener Weise zu reagieren, in den letzten Jahren mehr und mehr eingeengt.

Die Folge ist unter anderem eine im Vergleich zu anderen akademischen Berufen überdurchschnittlich hohe Arbeitslosigkeit. Die Bundesarchitektenkammer stellte Ende 2003 bei Hochbauarchitekten eine offizielle Arbeitslosenquote von 9,5 Prozent fest. Da in dieser Statistik arbeitslose Universitäts-Absolventen und die zahlreichen nicht sozialversicherungspflichtigen, erwerbslosen Freiberufler nicht berücksichtigt sind, ist aber von einer hohen Dunkelziffer auszugehen. Die tatsächliche Quote dürfte daher erheblich höher liegen. Für die von der ungünstigen Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt besonders stark betroffene Stadt Berlin gibt die örtliche Kammer die Arbeitslosenquote mit über 20 Prozent an. Gerade Absolventen haben es besonders schwer: Um überhaupt den Berufseinstieg zu schaffen, bieten sich inzwischen Universitätsabgänger teilweise sogar als unbezahlte Praktikanten an. Viele Frischdiplomierte versuchen daher, im Ausland erste Erfahrungen zu sammeln oder in einer verwandten Branche Fuß zu fassen.

Der Arbeitsmarkt für Architekten ist in der freien Wirtschaft vollständig dereguliert und liberalisiert. Anders als etwa bei den Medizinern, die im Marburger Bund organisiert sind, gibt es keine Arbeitnehmervertretung der Architekten. Die schlechte wirtschaftliche Situation der Branche seit nunmehr 10 Jahren hat daher zu einer dramatischen Verschlechterung der Arbeitsbedingungen geführt. Zwar ist die bis 1998 gängige Praxis, Architekten als Scheinselbstständige ohne Zahlung von Sozialleistungen und Kündigungsschutz zu beschäftigen, inzwischen nicht mehr die Regel. Dauerhafte Arbeitsverhältnisse sind jedoch keineswegs die Regel. Vielmehr sind viele Büros dazu übergegangen, je nach Auftragslage Architekten kurzfristig „zu heuern und zu feuern“. Viele Architekten sind daher gezwungen sich in kurzen Abständen immer wieder neue Jobs zu suchen. Einer oft sehr hohen Arbeitsbelastung - Wochenarbeitszeiten von 50 bis 60 Stunden sind keine Seltenheit - steht daher verglichen mit Berufen ähnlich hoher Qualifikation ein verhältnismäßig geringer Verdienst gegenüber, zumal oft auch kein Anspruch auf Vergütung von Überstunden besteht.

Das Internetmagazin Spiegel Online hat im Mai 2005 einen Gehaltsreport für Architekten veröffentlicht mit dem Ergebnis, dass deren Gehaltssituation weiter unter Druck steht. Es bestehen erhebliche regionale Unterschiede; die Situation in Bayern und Baden-Württemberg (Durchschnitt 36.400 Euro p.a. bis 46.722 Euro p.a.) ist wesentlich besser als in den östlichen Bundesländern (Durchschnitt 32.500 Euro p.a.). Junge Architekten mit bis zu zwei Jahren Berufserfahrung kommen auf 26.623 Euro; 30.600 Euro sind es bei einer Berufserfahrung von zwei bis fünf Jahren. Bei zehn und mehr Jahren Berufserfahrung liegt das Gehalt bei rund 41.700 Euro p.a. Zu einem noch schlechteren Ergebnis kam eine repräsentative Erhebung der Architektenkammer Berlin im April 2006. Demnach müssen etwa 60 Prozent der angestellten Kammermitglieder mit wenig mehr als 10.000 Euro Jahresbrutto auskommen. Der Durchschnittsverdienst aller Architekten liegt bei 27.000 Euro Jahresbrutto. Die Einkommenssituation des Berufsstandes wird von der Kammer als „besorgniserregend“ bezeichnet.

Dies bestätigt auch eine im Mai 2005 veröffentlichte Studie der Zeitschrift stern, in der die berufliche Perspektive von 26 beliebten Studienfächern untersucht wurde. Der Studiengang Architektur erzielte hierbei das schlechteste Ergebnis und belegte noch hinter Philosophie den letzten Platz. Gleichwohl ist Architektur ein beliebtes Studienfach. Seit Jahren ist daher die Zahl der in das Berufsleben drängenden jungen Architekten erheblich höher als die der altersbedingt ausscheidenden. Der ohnehin negative Trend verschärft sich dadurch noch. Die Bundesarchitektenkammer diagnostizierte im Dezember 2005, dass ein großer Teil der auf den Arbeitsmarkt strömenden jungen Architekten voraussichtlich bis Mitte des nächsten Jahrzehnts nur geringe Chancen in den klassischen Betätigungsfeldern für Architekten haben wird und empfiehlt daher eine berufliche Umorientierung bereits während des Studiums.

Kiel (Wikipedia)
Kiel ist geprägt durch die Nähe zum Meer. Die erste städtische Siedlung entstand auf der Halbinsel zwischen Förde und Kleinem Kiel. Der nördliche Landzugang wurde durch die Burg gesichert. Die Stadt wurde sehr regelmäßig angelegt, mit einem Marktplatz im Zentrum, von dessen Ecken acht Straßen im rechten Winkel zueinander abgingen. Von diesen gingen einige kleine Nebenstraßen zum alten Mauerring und weiter zum Wasser ab. Hauptstraße der Stadt war die Nord-Süd-Achse Dänische Straße–Holstenstraße, die diagonal über den Marktplatz führte.

Über Jahrhunderte stand Kiel im Schatten anderer Ostseestädte (vor allem Flensburg und Lübeck), zählte aber zu den größeren Städten Holsteins und war lange Zeit unbedeutendes Mitglied der Hanse. Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts begann die Stadt, sich über ihre Halbinsel hinaus nach Süden auszudehnen. Es entstand die Vorstadt in Verlängerung der Holstenstraße, welche sich schließlich bis zur St.-Jürgen-Kapelle (sie lag neben dem heutigen Hauptbahnhof) ausdehnte, deren Friedhof im 19. Jahrhundert der Hauptfriedhof der Stadt wurde. Auch in der Vorstadt entstanden einige bemerkenswerte Bürgerbauten, doch der größte Teil war ein Handwerker- und Kleinbürger-Quartier.

Als Kiel 1864 vom dänischen Gesamtstaat getrennt und wenig später preußischer Kriegshafen wurde, wandelte das Stadtbild sich grundlegend. Wenige Städte des Deutschen Reichs wuchsen so rasant wie Kiel. Die Stadt dehnte sich nach allen Himmelsrichtungen aus. Villenviertel entstanden vor allem im Norden (Düsternbrook) und teilweise im Westen, während in der Nähe der Innenstadt zahlreiche Mietskasernen-Viertel gebaut wurden. Am Ostufer der Förde in Gaarden, Ellerbek und Wellingdorf entstanden die größten Werften Europas und weitere Arbeiterviertel. Auch die Altstadt und Vorstadt wurden zusehend mit überdimensionierten zeittypischen Bauten überformt, unter anderem entstanden neue Universitätsgebäude in der Nähe des Schlosses. Auch die Verbindung zwischen Kleinem Kiel und Förde wurde immer mehr überbaut. Westlich der Vorstadt entstand mit dem zum Kleinen Kiel hin offenen Neuen Markt mit Rathaus und Stadttheater das bedeutendste städtebauliche Ensemble dieser Zeit in Kiel.

Die Enge der Innenstadt rief bereits in den 1920er Jahren die Städteplaner auf den Plan. In der NS-Zeit wurden Pläne zu einer großzügigen Umgestaltung der Innenstadt konkretisiert. Auch der 1940 eingesetzte Stadtbaurat Herbert Jensen setzte sich für einen Stadtumbau ein. Im Juni 1944 wurde das Arbeitserziehungslager Nordmark errichtet in welchem bis Anfang 1945 600 Menschen starben.

Nach den schweren Bombenangriffen des Zweiten Weltkriegs lagen die östlichen Stadtteile und die gründerzeitlichen Vorstädte sehr weitgehend, Alt- und Vorstadt fast vollständig in Trümmern. Beim Wiederaufbau, den der im Amt verbliebene Jensen leitete, sollte die Stadt im Stil der Zeit moderner, offener und großzügiger gestaltet werden. Der schön gelegene Stadtkern sollte ebenso wie die Verbindung der Stadt mit dem Wasser wieder stärker in den Blickpunkt gesetzt werden. Auf die Rekonstruktion historischer Bauten wollte man hingegen vollständig verzichten.

Während der Wiederaufbau Kiels in den ersten Nachkriegsjahrzehnten als vorbildlich gelobt wurde, sieht man das Ergebnis inzwischen deutlich kritischer. Zwar ist die Altstadt-Halbinsel als solche noch zu erkennen. Doch schwere Eingriffe in das historische Straßennetz derselben (Aufhebung der meisten kleineren Nebenstraßen, Überbauung der Hassstraße am Markt, Verkehrsschneise Eggerstedtstraße längs durch die östliche Altstadt, Überbauung des Marktplatzes mit Geschäftsbauten) und die Errichtung zahlreicher überdimensionierter Kauf-, Park- und Bürohausbauten sowie generell die wenig einfallsreiche Architektur der 1950er, 1960er und 1970er Jahre, die nach heutigem Geschmack von den meisten als hässlich empfunden wird, lassen wenig urbanes Flair aufkommen. Gewissermaßen hat Kiel heute zwar eine Innen- aber keine Altstadt mehr. Ironischerweise gilt heute ausgerechnet die Dänische Straße mit den recht vielen erhaltenen Gründerzeitbauten als "Gute Stube" der Altstadt. Die Vorstadt wurde sehr großzügig wiederaufgebaut. Die enge Bebauung der gründerzeitlichen Stadtteile wurde beim Wiederaufbau aufgelockert und durchgrünt. Vielrorts wird das Kieler Stadtbild als typisch für eine im Zweiten Weltkrieg zerstörte Stadt gesehen und gilt daher als wenig anschaulich.